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  • Jules

Führungskräfte Krisenmanagement Coronavirus - Was sage ich dem Team? Wie gehe ich es An?


6 Impulse zum Umgang Mit Deinem Team in Zeiten von COvid-19


Coronavirus - Was soll ich dem Team sagen? Wie gehe ich es an?


Dir ist sicher aufgefallen, dass es hier um zwei konkrete W-Fragen geht. Für mich stellt sich also nicht die Frage, ob es überhaupt notwendig ist, mit dem Team über die Situation zu sprechen. Das ist definitiv notwendig.


Du kannst davon ausgehen, dass in Deinem Team, genau wie gesamtgesellschaftlich, alle Reaktionen zu Covid-19 vorhanden sind:

Angst, Panik, Leugnung, Gleichgültigkeit, Wut, Trauer, Belustigung, Entspannung. Meiner Ansicht nach darf es das alles geben. Schwierig kann es aber für Führungskräfte werden, trotz diesem großen Fächer an Verhalten und Emotionen (und trotz Home-Office) das Team auf einer Linie zu halten. Dafür möchte ich ein paar Erfahrungen aus meinem Arbeitsalltag als Coach und Beraterin mit Euch teilen.



1. Be honest

Keiner weiß wirklich, was gerade passiert, wie der nächste Tag aussieht und welche Auswirkungen die Situation für unsere Businesses haben wird. Im Moment können wir nur einen Fuß vor den anderen setzen und immer wieder checken, ob das der richtige Kurs ist.


Führungskräfte, die jetzt behaupten, dass sie alles im Griff haben und genau wissen, was zu tun ist, laufen Gefahr, unglaubwürdig zu wirken. Das kommt in Teams nicht besonders gut an. Vertrauensverlust kann die Folge sein.

Wenn Du allerdings die Karten auf den Tisch legst und offen sagst, was gerade bei Dir passiert z.B. Verunsicherung, Schockstarre, Wut etc. hat das mehrere positive Effekte. Zum einen ist die Emotion wahrgenommen und wird meist schon allein deswegen als weniger intensiv empfunden. Zum anderen erzeugt Dein Vertrauensvorschuss im Team ein Gefühl von Zusammenhalt. Die anderen werden es einfacher finden, so auch etwas von sich zu erzählen. Ihr lernt Euch noch besser kennen, mehr zu vertrauen und könnt so noch besser miteinander arbeiten. Du gibst dem Team außerdem die Möglichkeit zu glänzen; denn wenn die Führungskraft keine Lösung hat, geht das Team in den Problemlösungs-Mode. Alle packen auf einmal mit an und übernehmen mehr Verantwortung.


2. Lass das Team sich etwas ausheulen

Ich empfehle Dir, diese Woche nicht direkt mit der Verkündung der neuen Strategie oder einem digitalen Stand-Up mit Neuverteilung der Aufgaben zu beginnen.

Plane stattdessen ein bisschen mehr Zeit im ersten Teammeeting zum „Ausheulen“ ein. Das ist eine Methode, die ich nach Bedarf am Anfang von Team-Workshops einsetze: Manchmal muss erstmal Frust abgelassen werden, bevor es im Team wieder produktiv weitergehen kann.

Viele der Teammitglieder stehen seit spätestens Samstag vor komplett neuen Herausforderungen: Kita und Schule zu, eine Fernbeziehung mit einer Frau aus der USA, Toilettenpapierdramen im Supermarkt und abgesagte Veranstaltungen auf Monate hinweg. Das ist ganz schön krass. Diese Dinge belasten Deine Leute. Gib Ihnen einen Moment, den Frust abzulassen. Es hilft auch allen anderen zu sehen, wer gerade wo mit den Gedanken ist. Es hilft Euch, Euch gegenseitig besser zu verstehen.


Du kannst anmoderieren, dass Ihr Euer Teammeeting heute so beginnen werdet. Gib 2 Minuten pro Person Zeit, stopp die Zeit und kündige an, wenn sie um ist. Als Regel gilt auch: Idealerweise kein Austausch zu den Problemen. Einfach nur ausheulen und dann an das nächste Teammitglied abgeben. Mach Du selbst den Anfang, damit das Team weiß, worum es geht.


3. Sei verständnisvoll und geh nicht in die Bewertung

Du hast eine/n Nudel-Großmengenankäufer/in in Deinem Team und das nervt Dich? Ein Teammitglied ist hypochondrisch veranlagt und hat Dir bereits vor drei Wochen erklärt, dass sie/er wahrscheinlich das Virus in sich trägt? Du hörst immer wieder, dass Home-Office nicht funktionieren kann und nur der persönliche Austausch zu Ergebnissen führen kann?


Atme tief durch, nimm es zur Kenntnis und versuch mit Dir selbst einen Deal zu machen: Geh nicht in die Bewertung.


Jede einzelne Person hat ihr Päckchen zu tragen, hat ihre eigene Geschichte und Vergangenheit. Man kann einfach nicht wissen, was hinter dem Verhalten von bestimmten Aktionen steht. Versuch Dich in Gelassenheit zu üben. Das heißt natürlich nicht, dass Du alles entschuldigen sollst, aber geh in Dich und vergiss nicht, dass Stress oft Verhalten hervorruft, dass wir unter „normalen“ Umständen nicht zu sehen bekommen. Und Covid-19 ruft bei einer Menge enormen Stress hervor.


4. Nutze die kollektive Intelligenz

Besprich gemeinsam mit dem Team, was jetzt die Prioritäten sind. Diese haben sich sehr wahrscheinlich innerhalb der letzen 4 Tage geändert. Geh in den Austausch mit dem Team und findet gemeinsam einen Konsens. Zwei Köpfe sind besser als einer. Drei besser als zwei etc.


5. Mach einen Task Review mit dem Team

Besprich auch mit dem Team, ob Aufgaben unter Umständen neu und anders verteilt werden müssen. Teammitglieder die Eltern sind, haben sehr sicher ab spätestens Dienstag, wenn Kita und Schulen geschlossen sind, eine Doppelbelastung: Kinderbetreuung und Home-Office. Das ist keine leichte Aufgabe. Mach das zum Thema Eures Meetings. Vielleicht bieten sich Mitarbeitende, die weniger auf dem Tisch haben, sogar freiwillig an, ein paar Aufgaben zu übernehmen. Achtung, bitte hier das Thema Fairness und Freiwilligkeit im Auge behalten. Die Schlussfolgerung ist nicht, dass Teammitglieder ohne Kinder jetzt alles Schultern müssen.


6. Fang nochmal bei Null an

Für viele von Euch sind Zoom-Calls, Hangout’s, Slack und die Arbeit vom Home-Office Alltag und nichts besonderes. Für andere Leute ist das vielleicht neu, ungewohnt und möglicherweise auch erstmal unbeliebt.


Vielleicht hakt es am Anfang auch an technischen Problemen, denn zu Hause kann man eben nicht mal schnell rüber zur IT gehen, um einen nicht funktionierenden - bitte hier betreffendes defektes Gerät/Programm/Account einfügen - fixen zu lassen. Also sei hier geduldig und geh lieber in eine lösungsorientierte Haltung über: Wer braucht hier Hilfe? Wer kann wen unterstützen? Welche Kommunikationskanäle haben sich bewährt?



In den nächsten Tagen werde ich ein paar weitere Impulse zum Thema Krisenmanagement für Führungskräfte aufschreiben. Stay tuned.


Hinweise, Fragen oder Kommentare gerne an jg@julesgrant.de


Passt gut auf Euch auf und bleibt gesund!


Jules