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  • Jules

Zeitgemäße Mitarbeiterführung

Aktualisiert: 7. Mai 2018

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Zeitgemäße Mitarbeiterführung - Was bedeutet das für mich?


WOW. Großes Thema. Wo fange ich an? Vielleicht gleich erst einmal mit dem Wort Zeitgemäß aus der Überschrift.


Wieso ist Führung jetzt anders, als noch vor 20 Jahren? Die Antwort kennen wir alle. Der digitale Wandel und das Internet haben so ziemlich alles verändert - im Business wie auch im privaten Bereich. Der deutsche Philosoph Walter Benjamin (1892‒1940) sagte schon 1935 -


Wann immer sich die Medien ändern, ändert sich die Gesellschaft.


Wenn sich die Gesellschaft wandelt, dann ganz unmittelbar auch unsere „Lebenssysteme“. Also Familie, Freundeskreis, Vereine, Parteien etc. und natürlich auch unser Beruf. Das kann sich in vielerlei Hinsicht äußern. Prioritäten in Organisationen ändern sich, Aufgaben kommen hinzu oder fallen komplett weg, neue Positionen werden geschaffen, andere überdacht oder gestrichen. Ganze Branchen werden neu erfunden (denken wir an Uber und die Taxibranche in der USA). Andere, vor allem Tech-Based Unternehmen, boomen. Und so haben sich natürlich auch die Anforderungen an Mitarbeiter auf jeder Ebene verändert. Heute will ich einen Blick auf die „neue“ Rolle der Führungskraft werfen.


Was hat sich für Führungskräfte verändert?


Zu den klassischen Hauptaufgaben einer Führungskraft gehören - noch - Planung, Führung und Kontrolle. Egal wie viele Stellenausschreibungen Du liest, diese 3 Schlagwörter stehen im Fokus. Was sich genau dahinter verbirgt, kannst Du in meinem Artikel Führungsposition - Ab wann? nachlesen.


Planung funktioniert heute allerdings keineswegs mehr so, wie noch vor 20 Jahren. Da waren die Systeme noch deutlich weniger komplex und Führung noch eine einigermaßen „lineare“ Angelegenheit. Eine Führungskraft war Vordenker, gab Anweisungen und zeigte den Weg an. Das ist heute immer weniger der Fall. Der Grund dafür ist die steigenden Komplexität. Ein cleveres Köpfchen reicht nicht mehr. Kollektive Intelligenz ist das Stichwort.


Ein cleveres Köpfchen reicht nicht mehr. Kollektive Intelligenz ist das Stichwort. Ohne Networking läuft nichts mehr.

Kollektive Intelligenz und aktive Netzwerke


Ich bin seit 2 Jahren Mitglied eines sehr aktiven Frauennetzwerks, das sich über eine bekannte Social Media Plattform organisiert und mittlerweile über 2.500 Mitglieder hat. Die Idee war am Anfang eine Art Online-Flohmarkt zu schaffen. Heute werden hier auch hauptsächlich Dinge verkauft, verschenkt und getauscht. Aber es gibt auch Hilfe zu jedem, und ich meine wirklich, jedem Thema unter dieser Sonne.


Egal, ob ein Kinderneurologe in Berlin-Charlottenburg, eine Fahrradspende für Flüchtlinge in Kreuzberg, Jobs im Kunstgewerbe oder neue Klingen für einen seltenen, italienischen Fleischwolf gesucht werden: Das Netzwerk weiß IMMER etwas. Manchmal kommt nicht sofort die Lösung, aber der entscheidende Hinweis oder der richtige Kontakt.


Es is eine extrem produktive Dynamik, die von Hilfsbereitschaft und dem Wunsch des (mit-)Teilens geprägt ist. Das ist eine Beobachtung, die jedem Manager in seinem Unternehmen auch aufgefallen sein dürfte: Die Leute wollen und fordern ein Mitspracherecht. Sie möchten mitentscheiden und etwas beisteuern.


Wieviel Suppe kann eine einzelne Person am Tag für die Bahnhofsmission am Zoologischen Garten kochen und spenden? Vielleicht 15 bis 20.

150 Suppen am Tag waren es mit Hilfe des Netzwerks. Sogar in der Zeitung wurde es erwähnt.


Innerhalb von wenigen Tagen wurde Geld gesammelt, ein 5-Sterne Hotel involviert (Kontakt einer der Damen des Netzwerks) und Suppe ohne Ende gekocht. Und das ist keine Ausnahmeaktion. Jeden Tag wird auf der Plattform gehandelt, geholfen, Mut gemacht und Kontakte getauscht. Die Administratoren planen oder führen nicht besonders viel. Sie haben das Netzwerk gegründet, die Plattform bereitgestellt und die Regeln aufgestellt. Sie gucken auch heute immer wieder nach dem Rechten und mischen sich auch mal ein, wenn es grobe „Regelverstöße“ gibt. Aber ansonsten sehen sie freudig zu, nehmen teil und halten die Schulter hin, wenn das gebraucht wird.


Die Führungskraft 4.0


So ähnlich sieht auch die Aufgabe der Führungskraft 4.0 aus - Bereitstellen, Rahmenbedingungen schaffen, Regeln erklären, beobachten, beraten und die Richtung im Auge behalten.


Unsere derzeit größte Herausforderung als Führungskraft ist Komplexität. Dieser kann man am Besten mit kollektiven Wissen begegnen. Dazu braucht es jemanden, der Netzwerke bildet und nährt. Dies wird zur essentiellen Aufgabe eines Managers.


Statt Planung ist Reflexion und das Erfassen von Zusammenhängen angesagt.


Mitarbeiter wollen mitreden und entscheiden. Und das sollten sie auch. Sie brauchen dafür den Raum, die Bedingungen und Unterstützung. Die Führungskraft wird also zum Coach und Begleiter. Sie schafft Zugang und lenkt ganz sacht, steht aber keineswegs mehr alleine am Steuer.


Soft skills, Soft skills, Soft skills


Nun fragt sich, welche Fähigkeiten so ein Coach und Facilitator braucht? Die Antwort lautet ganz klar, hervorragende Softskills. Dazu gehören persönliche, soziale und methodische Kompetenzen.


Persönlichen Kompetenzen sind u.a. Selbstvertrauen, Engagement, Motivation, Disziplin.

Kommunikationsfähigkeit, Kritikfähigkeit, Integrationsbereitschaft und Umgangsstil.


Konfliktmanagement, Menschenkenntnis, Networking, Interkulturelle Skills und Verhandlungsgeschick sind gute Beispiele für soziale Kompetenzen.


Zu den methodischen Kompetenzen gehören u.a. Problemlösungskompetenz, analytische Fähigkeiten, Stressresistenz und Umgang mit Medien.


Menschen, die sich mit sich selbst auseinandersetzen


Die „neue“ Rolle der Führungskräfte erfordert also starke Persönlichkeiten. Menschen, die sich mit sich selbst auseinandersetzen, um im zweiten Schritt auch die Personen um sich herum zu verstehen. Regelmäßige Selbstreflexion, Meditation und die Bereitschaft, die eigene Entwicklung anzutreiben, können den Weg ebnen. Ein großes Netzwerk ist unverzichtbar. Alleine ist es nicht zu schaffen. Es braucht das kollektive Wissen, egal in welcher Branche Du unterwegs bist.


Ein guter Start ist, im eigenen Garten zu harken. Self-Development ist ein Begriff, der so inflationär eingesetzt wird, dass man sich ihm am liebsten sperren möchte, aber auf dem Weg nach Vorne, braucht es genau DAS. Wie das für Dich aussieht und welche Unterstützung Du Dir an Bord holst, ist natürlich individuell.


Das Angebot ist groß. Bücher, Podcasts, Magazine, Productivity- und Meditations-Apps, Coaching, Beratung, Training, Prozessbegleitung, Workshops, Konferenzen, Retreats. Es ist alles da. Taste Dich langsam heran und traue Deiner Intuition. Die ist nämlich unschlagbar.


Ich freue mich über Feedback, Anregungen und Fragen.